
Aus der Praxis – für die Praxis
Koordinatorentag 2005
Dortmund, 10. Juni 2005
Auch in diesem Jahr hatten wir für den Koordinatorentag wieder sehr interessante Themen ausgewählt, die den Teilnehmern viele wertvolle Informationen und Impulse für die Umsetzung und Verbesserung der täglichen Koordinationsarbeit des SIGEKO geben konnten. Geprägt war die Veranstaltung durch die Vielfalt des Ganzen.
Themenschwerpunkte waren:
- Gedanken zur aktuellen Situation der Baustellenverordnung
- Arbeitsschutz im europäischen Vergleich
- Recht: Gerichtsurteile und deren Auswirkungen
- Neue Vorschriften + die Organisation der Arbeitsschutzkoordination
- Einsatz Persönlicher Schutzausrüstungen
- Betriebssicherheitsverordnung für SIGEKOs
- Aus Sicht der Feuerwehr: Rettung + Brandschutz am Bau
- Werkbericht 2005: Koordination eines Tiefbauprojektes
Neben der Ingenieurkammer Bau NRW, bescheinigten auch die Architektenkammern Nordrhein-Westfalen und Hessen unserer Veranstaltung das entsprechende Niveau und sprachen uns jeweils Ihre Anerkennung als Fortbildungsmaßnahme im Sinne der gesetzlichen Verpflichtungen zur Fortbildung aus.
Als besonderer Service unseres Hauses bestand dadurch für unsere Teilnehmer am Koordinatorentag gleichzeitig die Möglichkeit eine anerkannte Fortbildungsmaßnahme, die gesetzlich inzwischen jährlich gefordert wird, zu absolvieren.
Die rund 100 Teilnehmer der Veranstaltung, die damit restlos ausgebucht war und uns somit auch für das nächste Jahr wieder motiviert weiter zu machen, haben in den wieder guten bis sehr guten Bewertungen nach der Veranstaltung und in zahlreichen persönlichen Gesprächen und Rückmeldungen ihre Zufriedenheit und Begeisterung zum Ausdruck gebracht. An dieser Stelle Ihnen allen und allen, die ebenfalls zum Gelingen beigetragen haben
vielen, vielen Dank – denn:
wir sind begeistert, wenn Sie es auch sind ...
 |
Holger W. Kruse,
Architekt + Sicherheitskoordinator
Sachverständiger für Arbeitsschutz
im Hoch- und Tiefbau |
Sicherheitskoordination – Gedanken zur aktuellen Situation
Herr Kruse vermittelte in seinem „historischen Abriss“ die aktuelle Entwicklung der Baustellenverordnung und des Koordinationsgedanken, insbesondere vor dem Hintergrund der geänderten Baustellenverordnung
(Ergänzung: § 3 Abs. 1 a: „Der Bauherr oder der von ihm beauftragte Dritte wird durch die Beauftragung geeigneter Koordinatoren nicht von seiner Verantwortung entbunden“.) und den ebenfalls veränderten gesetzlichen Regelwerken, wie Betriebssicherheitsverordnung, Arbeitsstättenverordnung und Gefahrstoffverordnung.
Mit seinem fachlichen Background und basierend auf umfangreicher praktischer Erfahrung stellte er die Verantwortung der Koordinatoren nach Baustellenverordnung heraus und erläuterte seinen bewährten und praktikablen Lösungsansatz.
 |
Bernhard Varnskühler,
Staatliches Amt für Arbeitsschutz, Essen |
EG-Baustellenrichtlinie - gemeinsame Basis
und was haben unsere europäischen Nachbarstaaten daraus gemacht?
Herr Varnskühler berichtete über „Aktuelles aus der Tätigkeit der Arbeitsschutzbehörden und verdeutlichte die Zwischenbilanz der Umsetzung der EG-Baustellenrichtlinie am Beispiel Großbritanniens. Er veranschaulichte die Problemfelder in Deutschland und stand wie immer offen und auskunftsfreudig für Fragen der Teilnehmer zur Verfügung.
Weitere anspruchsvolle Themen, die er kritisch und eingehend beleuchtete waren die neue Gefahrstoffverordnung mit dem Schutzstufenmodell und der Verpflichtung zur Gefährdungsbeurteilung.
 |
Guido Meyer, Rechtsanwalt,
Kanzlei Kapellmann + Partner,
Mönchengladbach |
Zwischen Klärung und Verwirrung – ein Blick auf die aktuelle rechtliche Situation nach den ersten Gerichtsurteilen
Herr Meyer stellte neben der aktuellen Übersicht diverser obergerichtlicher Urteile rund um die Baustellenverordnung, die Schwierigkeit daraus abzuleitender allgemein gültiger Aussagen, dar. Die rechtliche Ausgangslage der Koordinatoren ist nach wie vor schwierig und nicht abschließend geklärt.
Auf Grundlage der Urteile befasst sich Herr Meyer intensiv mit den Fragen, die sich für die Koordinatoren daraus ergeben, wie z.B.
- Welche Pflichten hat der SIGEKO im Einzelnen in der Planungsphase?
- Und welche Pflichten hat er im Einzelnen in der Ausführungsphase?
- Haftet der SIGEKO für Schäden des Arbeitgebers eines verunglückten Arbeitnehmers?
- Ebenso wie Fragen zu Honorierung, Vertrag, Haftung des Bauherren, Verantwortlichkeiten usw.
Die Teilnehmer konnten in der anschließenden Diskussion mit Herrn Meyer auch in diesem Jahr wieder ihre themenbezogenen Fragen stellen und viele hilfreiche Antworten und Hinweise des Experten mit nach Hause nehmen.
 |
Bernhard Varnskühler,
Holger W. Kruse |
Neue Vorschriften zum Arbeitsschutz
und die Organisation der Sicherheitskoordination
Die zentralen Fragestellungen dieses Vortrags:
- Welche Änderungen im Arbeitsschutz sind koordinationsrelevant?
- Wirken sich diese auf die Arbeit des Koordinators aus?
- Wie integriere ich diese in die Organisation der Koordination?
Herrn Kruse und Herrn Varnskühler gelang es in diesem interdisziplinär-kombinierten Beitrag zunächst die relevanten Änderungen zu verdeutlichen um sodann Handlungshilfen und geeignete Instrumente für eine gute und dokumentierte Organisation von Arbeitsschutz und Koordination zu erläutern.
 |
| Bild-Quelle: Vortrag von Holger W. Kruse - mit freundlicher Genehmigung - |
 |
Dr. Jürgen Kulka,
Staatliches Amt für Arbeitsschutz, Essen |
Die Betriebssicherheitsverordnung –
Auswirkungen auf die Arbeit der Koordinatoren
Herr Dr. Kulka informierte in seinem Vortrag über die Inhalte der Betriebssicherheitsverordnung, die sich auf die Arbeit der Koordinatoren auswirken. Neben dem Aufbau der BetrSichV und den Zuständigkeiten widmete er sich den Themen:
- Anforderungen an Arbeitsmittel
- Gefährdungsbeurteilung gemäß § 3 BetrSichV
- Unterrichtung und Unterweisung gemäß § 9 BetrSichV
- Befähigte Personen nach BetrSichV
- Übergang zur Gefahrstoffverordnung und Explosionsschutz-Management Explosionsschutzdokument gem. § 6 BetrSichV)
Herr Dr. Kulka verstand es, seinen Vortrag mit passenden Beispielen aus der Praxis zu unterstützen.
 |
Roland Ipfling,
SKYLOTEC GmbH,
vormals Eduard Kaufmann GmbH |
Persönliche Schutzausrüstung – Das Leben am Faden –
Tipps zu Planung, Beratung, Ausführung
Herr Ipfling informierte über Grundregeln und Normen und zeigte für verschiedene Anwendungsfälle diverse Lösungsmöglichkeiten auf. Er ging auch auf die Prüfung der PSA ein und gab wertvolle Tipps zu deren Benutzung.

In den Pausenzeiten demonstrierte Herr Ipfling an seinem Ausstellungsstand den „praktischen“ Einsatz der diversen Schutzausrüstungen.
Weitere Informationen zu PSA unter:
>> www.skylotec.de
 |
Dipl.-Chem. Oliver Nestler,
Städtischer Brandrat der Stadt Dortmund,
Berufsfeuerwehr der Stadt Dortmund |
Baustellen aus der Sicht der Feuerwehr:
Rettung + Brandschutz am Bau
Herr Nestler stellte in seinem Vortrag die Aufgaben der Feuerwehr zum abwehrenden Brandschutz und zur Rettung vor, bevor er dann überging zum Bereich des vorbeugenden Brandschutz aus Sicht der Feuerwehr. Nicht nur die speziellen Probleme im Baustellenbereich, sondern auch die nur sehr kurze Zeit für die Einsatzplanung als Vorbereitung auf den Ernstfall, als auch das immer richtige Verhalten im Einsatzfall sind praktische Probleme der Feuerwehr. Herr Nestler unterstrich dabei die brandschutztechnisch wesentlichen Ziele des vorbeugenden Brandschutzes: Personenschutz – Güterschutz – Umweltschutz. Er forderte der Bedeutung zur Sicherstellung von Brandschutz in allen Betriebszuständen, somit besonders auch in der Bauphase auf Baustellen, auch aus Sicht der Koordinatoren eine intensivere Beachtung zukommen zu lassen – gern auch unter Mithilfe der zuständigen Feuerwehr.
Sein Wunsch ist es, die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu optimieren, denn „Sicherheitskonzepte müssen gemeinsam von allen Beteiligten erstellt und umgesetzt werden“, dazu gehören die Bauherren, die Ausführenden, die Planer und Koordinatoren sowie die Genehmigungsbehörden und die Feuerwehr. Herr Nestler eröffnete den Teilnehmern des Koordinatorentages neue Sichtweisen zum Thema Rettung und Brandschutz am Bau und gab jede Menge nützliche Hinweise, die sicherlich bei vielen in der Zukunft Berücksichtigung finden werden.
Fazit: ein brandheißes Thema – informativ und dank der erfrischenden Vortragsweise ein gelungener kurzweiliger Beitrag.
 |
Heinz Nühnen,
HNC-Datentechnik GmbH |
Praxisbericht eines Tiefbauprojektes
Bau einer Vorflutpumpanlage mit Druckrohrleitung (DN 2000)
Mit freundlicher Genehmigung der LINEG –
Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft
In einem Praxisbeispiel wurde anschaulich die Umsetzung der Baustellenverordnung an einem Bauvorhaben im Tief- und Rohrleitungsbau dargestellt. Aufgrund von Bergbausenkungen wurde zum Transport des Wassers eine Vorflutpumpanlage mit den technische Daten: Druckleitung (DN 2000), Länge ca. 780 m mit 2 Pressstrecken in Stahlbeton (DN 2500), Einzellängen ca. 120 m, errichtet.
Neben den Fotos aus der Bauphase wurde jeweils auch ein Bezug zu den Sigeplan- und Koordinationsunterlagen dargestellt und diskutiert.

Interessierte Teilnehmer konnten sich in den Pausenzeiten die entsprechenden Pläne zum Tiefbauprojekt ansehen und ihre Fragen gezielt an den Experten stellen.


Die Pausenzeiten wurden wieder sinnvoll zum weiteren Erfahrungsaustausch und lockeren Gesprächen mit den Referenten und Teilnehmern untereinander genutzt.

Wir bedanken uns recht herzlich bei unserem diesjährigen Referententeam, den stets freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeitern des Bildungszentrum Hansemann, der Firma Skylotec und den zahlreichen Teilnehmern, die sich interessiert und aktiv in Diskussionen eingebracht haben und so den Tag erfolgreich mitgestaltet haben.
Besonderer Dank gilt Herrn Kruse, der an diesem Tag wieder gekonnt und schwungvoll die Moderation übernommen hat und mit seinem umfangreichen und auch praxiserprobten Fachwissen maßgeblich für die Auswahl der Themen und Referenten verantwortlich war und damit wieder einmal zielorientiert „ins Schwarze“ getroffen hat.
Vielen Dank!
Ihr Team von HNC-Datentechnik